
Jungenarbeit -
eine pointierte Momentaufnahme
Auch wenn Pädagogik und Politik viel Wert auf Jungenarbeit legen und ihre Einführung in der formalen und nichtformalen Bildung dringend erwünscht ist: Nach wie vor verbreitet das Wort "Jungenarbeit" einen Charme exklusiven Sektierertums für diejenigen, die sie praktizieren.Aus der konservativen Ecke gibt es misstrauische Zurückhaltung, weil befürchtet wird, Jungs würden dadurch endgültig zu "weinerlichen Weicheiern" verzogen, die kaum noch männliche Eigenschaften aufwiesen. Was männliche Eigenschaften eigentlich sind, bleibt jedoch das Geheimnis dieser Spezies.
Die progressive Ecke wiederum befürchtet, durch die eingeforderten Freiräume für Jungs könnten Erfolge der Frauenbewegung zurückgedrängt und alte Geschlechterstrukturen wieder belebt werden. Hier wird übersehen, dass genau diese Erfolge im Bildungsbereich dazu geführt haben, dass Jungs Entwicklungsdefizite aufweisen und der Grundbildungsbereich inzwischen sehr viel stärker die Bedürfnisse von Mädchen bedient.
Misstrauisch beäugt von allen Seiten engagieren sich Jugendleiter und Pädagogen für die Jungs. Ihr Ziel ist weder die Entwicklung von angepassten Softies noch von schroffen Patriarchen, sondern von selbstbewussten Jungs, die sich ihres Werts und ihres Geschlechts bewusst sind aber auch verstehen, dass in einer komplexen Welt nur das konstruktive gleichberechtigte Miteinander beider Geschlechter gesellschaftlich erfolgreich sein kann.



